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Franz Von Liszt Der Zweckgedanke Im Strafrecht

7. Der Zweckgedanke im Strafrecht.

andere Strafart, die erste und führende Stelle im Strafensystem einzunehmen unzweifelhaft berufen ist.

Bedarf es einer besonderen Betonung, daß im einzelnen Falle die drei Strafzwecke sich ausschließen; daß ich eben die Strafe nach Art und Umfang demjenigen Strafzwecke anpassen muß, dessen Erreichung im einzelnen Falle notwendig und möglich ist? daß ich durch Köpfen und Hängen den Verbrecher nicht bessern und nicht abschrecken, durch 25 Stockstreiche bei ihm keine besonders lebhaften altruistischen Motive hervorrufen werde? daß es zwar ein Widerspruch ist, wenn ich den A. durch eine und dieselbe Strafe (vielleicht 300 M.) bessern, abschrecken und unschädlich machen will; kein Widerspruch aber, den A. durch die Geldstrafe abzuschrecken, den B. durch Einzelhaft zu bessern, den C. durch lebenslange Freiheitsstrafe zu sequestrieren? Vielleicht war es nicht ganz überflüssig, darauf ausdrücklich hinzuweisen. Sagt doch noch Sontag 1 Zeitschr., I, S. 494. : „Eine Sicherungstheorie, die zugleich abschrecken und bessern, also Feuer und Wasser miteinander mischen will, ist in sich so widerspruchsvoll, daß es vollkommen rätselhaft erscheint, wie sich heute noch Vertreter derselben (v. Liszt und Sichart) finden können." Das Rätsel löst sich doch wohl mit dem Mißverständnisse.

2) Wenn aber Besserung, Abschreckung, Unschädlichmachung wirklich die möglichen wesentlichen Wirkungen der Strafe und damit zugleich die möglichen Formen des Rechtsgüterschutzes durch Strafe sind, so müssen diesen drei Strafformen auch drei Kategorien von Verbrechern entsprechen. Denn gegen diese, nicht aber gegen die Verbrechensbegriffe, richtet sich die Strafe; der Verbrecher ist der Träger der Rechtsgüter, deren Verletzung oder Vernichtung das Wesen der Strafe ausmacht. Diese logische Forderung wird durch die bisherigen Ergebnisse der Kriminalanthropologie 2 Man vergl. die oben angeführten Arbeiten, insbesondere diejenigen von Lombroso und Ferri . im wesentlichen bestätigt. Doch gestattet die Lückenhaftigkeit und Unsicherheit der bisher gewonnenen Resultate keine abschließenden,

 

1 Zeitschr., I, S. 494.

2 Man vergl. die oben angeführten Arbeiten, insbesondere diejenigen von Lombroso und Ferri .


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