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Franz Von Liszt Der Zweckgedanke Im Strafrecht

7. Der Zweckgedanke im Strafrecht.

ins einzelne gehenden Schlußfolgerungen. Im allgemeinen aber dürfte folgende Einteilung zum Ausgangspunkte weiterer Betrachtungen genommen werden können:

1) Besserung der besserungsfähigen und besserungsbedürftigen Verbrecher;
2)Abschreckung der nicht besserungsbedürftigen Verbrecher;
3)Unschädlichmachung der nicht besserungsfähigen Verbrecher.

Ich will im folgenden die praktische Verwertung dieser Einteilung kurz auseinanderzusetzen versuchen. Ich werde dabei aus rein äußeren Gründen eine andere als die eben beobachtete Reihenfolge einhalten.

Erste Gruppe. Die Unverbesserlichen1 Es ist ein großes und bleibendes Verdienst Wahlbergs , in seinen verschiedenen Schriften den fundamentalen Unterschied von Gewohnheits und Gelegenheitsverbrechen energisch betont zu haben. Man vergl. insbesondere : „Ueber das gewohnheitsmäßige Verbrechen mit besonderer Rücksicht auf den Gewohnheitsdiebstahl\" (Gesammelte kleinere Schriften, I, S. 136 f.); „Das Maß und der mittlere Mensch im Strafrecht\" (Zeitschr. für das Privat- und öffentl. Recht der Gegenwart, V. Bd., S. 465 ff.); „Das Gelegenheitsverbrechen\" (Ges. kl. Schriften, III, S. 55 f.); „Das Maß und die Wertsberechnung im Strafrechte\" (daselbst S. 101 ff.); Gutachten an den internationalen Pönitentiar-Kongreß zu Stockholm über die Bekämpfung des Rückfalles (daselbst S. 213 ff.). — Dieses Verdienst wird durch die zum Teil durchaus berechtigte Kritik seiner juristischen Definition des Gewohnheitsverbrechens und seiner juristischen Begründung der größeren Strafbarkeit des Gewohnheitsverbrechers, welche v. Lilient h a l in seinen „Beiträgen zur Lehre von den Kollektivdelikten\" mit großem Geschick geübt hat, in keiner Weise berührt. Der Gewohnheitsverbrecher existiert, auch wenn wir keine gute Definition von ihm haben. Gegen v. Lilienthal vergl. auch Hälschner a. a. O., S. 551. . Der energische Kampf gegen das Gewohnheitsverbrechertum ist eine der dringendsten Aufgaben der Gegenwart. Wie ein krankes Glied den ganzen Organismus vergiftet, so frißt der Krebsschaden des rapid zunehmenden Gewohnheitsverbrechertums sich immer tiefer in unser soziales Leben. Der auf dem Gebiete der Strafrechtswissenschaft herrschende Doktrinarismus hat eine schwere Schuld auf sich geladen, indem er, in rein begriffliche Konstruktionen vertieft, dieser Tatsache gegenüber bis auf den heutigen Tag — von wenigen Ausnahmen abgesehen — teilnahmslos geblieben ist.

 

1 Es ist ein großes und bleibendes Verdienst Wahlbergs , in seinen verschiedenen Schriften den fundamentalen Unterschied von Gewohnheits und Gelegenheitsverbrechen energisch betont zu haben. Man vergl. insbesondere : „Ueber das gewohnheitsmäßige Verbrechen mit besonderer Rücksicht auf den Gewohnheitsdiebstahl" (Gesammelte kleinere Schriften, I, S. 136 f.); „Das Maß und der mittlere Mensch im Strafrecht" (Zeitschr. für das Privat- und öffentl. Recht der Gegenwart, V. Bd., S. 465 ff.); „Das Gelegenheitsverbrechen" (Ges. kl. Schriften, III, S. 55 f.); „Das Maß und die Wertsberechnung im Strafrechte" (daselbst S. 101 ff.); Gutachten an den internationalen Pönitentiar-Kongreß zu Stockholm über die Bekämpfung des Rückfalles (daselbst S. 213 ff.). — Dieses Verdienst wird durch die zum Teil durchaus berechtigte Kritik seiner juristischen Definition des Gewohnheitsverbrechens und seiner juristischen Begründung der größeren Strafbarkeit des Gewohnheitsverbrechers, welche v. Lilient h a l in seinen „Beiträgen zur Lehre von den Kollektivdelikten" mit großem Geschick geübt hat, in keiner Weise berührt. Der Gewohnheitsverbrecher existiert, auch wenn wir keine gute Definition von ihm haben. Gegen v. Lilienthal vergl. auch Hälschner a. a. O., S. 551.


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