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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

Einleitung.

1. Das Gebiet des Sittlichen (Ethischen), mit welchem Worte hier Moral und Recht zugleich bezeichnet werden sollen, umfasst das menschliche Handeln. Damit ist es gegen das Gebiet der Natur abgegrenzt. Indem das menschliche Handeln bestimmten Regeln folgt und zu festen und mannichfachen, ineinandergreifenden Gestaltungen sich entwickelt, entsteht die sittliche Welt, als das Gegenstück der natürlichen Welt. Der Mensch gehört beiden an, und die Wissenschaft nimmt beide zu ihrem Gegenstande. Es bilden sich für die Erkenntniss der sittlichen Welt zunächst die besonderen Wissenschaften der Lebensklugheit, der Sittenlehre, des Privatrechts, des Staatsrechts, des Völkerrechts u s. w. Aus ihnen erhebt sich später durch Aussonderung der höchsten Begriffe und Gesetze die Philosophie des Sittlichen oder die Ethik , welche damit das einende Band und die letzte Begründung für jene besonderen Wissenschaften bietet.
2. Die in der Lehre vom Wissen (B. I. der Philosophischen Bibliothek) dargelegten Mittel und Gesetze des Erkennens gelten auch für die Erkenntniss der sittn Welt. Dieser Satz ist bereits dort begründet worden; hier ist die Aufgabe, diese Mittel anzuwenden und durch den Erfolg eine Bestätigung derselben zu sofern. Die Wissenschaft hat deshalb auch im sittlichen Gebiete nicht mit Ideen oder sachlichen Prinzipien zu beginnen, aus denen der besondere Inhalt sich zu erzeugen oder dialektisch zu entwickeln hätte; sondern sie hat, gleich der Naturwissenschaft, mit der Beobach-

 

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