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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

Wollen zu erwecken und den Trieb zu überwinden. Dies Alles widerspricht aber der Erfahrung; schon das Sprüchwort erkennt an, dass der Mensch das Bessere einsieht und doch das Schlechtere thut.
5. Das Denken bedarf also noch eine Hülfe, um den Willen zu bestimmen, und diese Hülfe kommt nur von den Gefühlen, welche in dem Beweggrunde zur Wirksamkeit gelangen. Dies Gesetz gilt ausnahmslos für das sittliche, wie für das unsittliche Wollen. Deshalb begnügt man sich auch bei der Erziehung nicht mit der Ausbildung des Wissens, sondern fordert die Bildung des Charakters und die Pflege des sittlichen Gefühls. Die Untersuchung des Beweggrundes führt hiernach zu einer Untersuchung der Gefühle, welche bei ihrem reichen Inhalte den folgenden Abtheilungen vorbehalten bleibt.

3. Das Wollen.

1. Das Wollen gehört, wie das Vorstellen und die Gefühle, zu den elementaren Zuständen der Seele, welche nicht definirt, sondern nur durch Selbstwahrnehmimg kennen gelernt werden können. Auf diesem Wege ist auch Jeder damit vollkommen vertraut. Das Wollen besondert sich nicht, wie das Vorstellen und das Gefühl, zu unterschiedenen Arten, sondern es ist überall, wo es auftritt, ein und dasselbe einfache Streben, Begehren, Verlangen, welches die zur Ausführung des Zieles nöthigen Kräfte oder Bewegungen erweckt. Es besteht deshalb auch kein Unterschied zwischen Wollen und Begehren. Wenn einzelne Systeme beide unterscheiden, oder ein höheres und niederes Begehrungsvermögen annehmen, so setzen sie den Unterschied derselben nur in den Bestimmungsgrund; je nachdem die Vernunft oder die Lust als solcher auftritt. Dieser Unterschied trifft also nicht das Wollen selbst, sondern nur seine Ursache. Auch das Verabscheuen ist nur das Wollen eines Nicht-Seins; der Unterschied trifft hier nicht das Wollen, sondern das Ziel.
2. Das Wollen ist auch nicht die Kraft oder die Bewegung selbst, welche sich in der Ausführung darstellt, sondern nur die Erweckerin derselben. Es kann das

 

I. Das Handeln - A. Die Elemente des Handelns 6