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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

Wollen da sein und die Ausführung unterbleiben, weil die Kraft fehlt; umgekehrt kann die Kraft da sein und mitunter selbst die Bewegung, wie bei Krämpfen, ohne das Wollen.
3. Das Wollen ist auch nicht identisch mit dem Denken; derselbe Gedanke ist bald mit, bald ohne das Wollen. Der Gesättigte hat den Gedanken des Essens so bestimmt und so stark wie der Hungrige, aber ohne das Begehren des Letzteren. Das Wollen ist auch kein Gefühl; vielmehr geht das Wollen der Lust voraus und erlischt mit dem Eintritt dieser. Umgekehrt geht der Schmerz dem Begehren nach seiner Aufhebung voraus. Aehnliches gilt für das sittliche Gefühl.
4. Die einzigen Unterschiede, welche an dem Wollen hervortreten, betreffen den Grad und die Dauer des Wollens. Die Stärke des Wollens wird hauptsächlich durch die Stärke der Gefühle bestimmt, welche in dem Bewegungsgrunde sich geltend machen. Auch wirkt eine wahrgenommene Ursache der Lust stärker als eine blos vorgestellte. Das Wollen gehört mit den Gefühlen zu den seienden Zuständen der Seele und bildet deshalb mit diesen den Gegensatz zu den wissenden Zuständen derselben oder den Vorstellungen. Letztere wechseln in der Regel weit schneller als jene, und nur, wenn die Vorstellungen sich mit Gefühlen oder mit dem Wollen verbinden, nehmen sie an der längeren Dauer und beharrlichen Natur derselben Theil.
5. Das Wollen vermittelt die Ausführung des Zieles. Diese Vermittelung geschieht immer auf ein und dieselbe Weise. Das Wollen steigert 1) die Vorstellung des Zieles dem Grade nach und bestimmt damit die Bewegung im Denken, so weit die Ausführung eine solche erfordert; und das Wollen erregt 2) die motorischen Nerven der betreffenden Gliedmaassen, so weit die Ausführung eine körperliche Bewegung erfordert. Hierauf allein beschränkt sich die Wirksamkeit alles Wollens; jede andere ist ihm unmöglich. Insbesondere kann das Wollen nicht unmittelbar Vorstellungen oder Gefühle in der Seele erwecken; sondern es kann dies nur mittelbar, indem es vermittelst jener unmittelbaren Wirksamkeit ein Erstes setzt und daraus eine Reihe von Wirkungen nach Naturgesetzen folgt, in welcher die gewollte Vorstellung

 

I. Das Handeln - A. Die Elemente des Handelns 7