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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

Begehrens als ein Widerspruch behandelt. Wäre dies richtig, so würde dieser Widerstreit unmöglich sein; vielmehr ist er gleich dem aus entgegengesetzten Bewegungen und Kräften hervorgehenden Drucke ein Wirkliches, bei dem nur die Wirkung des einen durch die des andern aufgehoben ist. Deshalb ist die in diesen Systemen und auch bei Kant auftretende Beweisführung falsch, welche die Unzulässigkeit des einen Begehrens damit widerlegt, dass es zu einem logischen Widerspruch mit dem andern führe. Wäre dies richtig, so bedürfte es dieser Sorge um das bessere Begehren nicht; der Widerspruch würde das Eintreten des Andern ohne Weiteres unmöglich machen. Indem es dennoch eintritt, erhellt, dass es hier sich nur um einen Widerstreit handelt, und dass die Lösung dafür auf einem anderen Wege als dem des logischen Widerspruchs gesucht werden muss.
11. Dies gilt auch von dem Prinzip der Wahrheit, welches Wollaston für die Sittlichkeit aufgestellt hat. Es wird dabei das einzelne Wollen als das Denken eines allgemeinen Satzes aufgefasst und dadurch der Kampf entgegengesetzter Begehren zu einer Behauptung widersprechender Sätze umgewandelt, welche als eine Unwahrheit nicht stattfinden dürfe. Aehnlich verhält es sich mit Hegel's absoluter Strafrechtstheorie. Auch hier wird die einzelne verbrecherische Handlung als eine Negation der sittlichen Kegel, und die Strafe als eine Negation dieser Negation, oder als die Bejahung dieser Regel behauptet, welche deshalb, wenn die Regel bestehen solle, der ersteren Negation nachfolgen müsse. Diesen Auffassungen liegt eine Vermischung des Wollens mit dem Denken unter. Das Wollen ist aber nie ein Denken; es ist mit der Vorstellung eines Zieles nur verbunden; aber selbst dieses Ziel ist immer nur ein Einzelnes und nie ein allgemeiner Satz oder eine Kegel. Es kann deshalb eine Handlung einer Kegel wohl widerstreiten, aber nie dieselbe verneinen oder ableugnen. Indem der Verbrecher seine Handlung verheimlicht, ja, vor sich selbst möglichst verhehlt, erkennt er vielmehr selbst trotz seines Verbrechens die Geltung der sittlichen Kegel an.
12. Derselbe Fehler kehrt bei Hegel wieder, wenn er (VIII. 36) in dem Willen a) das Element der reinen Unbestimmtheit (Abstraktion oder Allgemeinheit), b) das

 

I. Das Handeln - A. Die Elemente des Handelns 10