text-o-res

Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral


2. Die Elemente des Handelns folgen sich zunächst in einer zeitlichen Reihe. Die Vorstellung eines Zukünftigen ist das Erste; verbindet sich damit eine Beziehung auf Lust oder sittliche Befriedigung, so erweckt diese als Beweggrund das Wollen, und als Letztes folgt die Ausführung. Folgen sich in solchem Falle diese Elemente ohne Unterbrechung, so sind sie schon durch dieses Aneinander geeint (Bd. I. 26). Indess ist es nicht nothwendig, dass dem Wollen sofort die Ausführung folge, wie Schopenhauer (Die Welt als Wille u.s.w. I.119) behauptet. Die Ausführung kann trotz des festen Wollens oder Entschlusses auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. So haben die Verlobten den festen Willen, sich zu heirathen; aber dieses selbst bleibt noch ausgesetzt. Es ist kein Grund vorhanden, solches Wollen nicht als wahres Wollen gelten zu lassen, wie Schopenhauer meint; ebensowenig wird in solchem Falle die Ausführung durch ein anderes Wollen gehemmt, vielmehr liegt in jenem Wollen selbst die Verschiebung der Ausführung, und es bleibt nur der Gefahr ausgesetzt, dass in der Zwischenzeit ein Gegenwollen auftreten kann, welches die spätere Ausführung hindert.
3. Wenn der Beweggrund ein gegenwärtiger Schmerz ist, so ändert sich die Ordnung der Reihe. Dann ist der Schmerz als Beweggrund das Erste; ihm folgt das Wollen seines Nichtseins; das bestimmtere Ziel folgt erst diesem Wollen, und nur die Ausführung bleibt auch hier das Letzte. Bei dem sittlichen Handeln besteht die gleiche Folge, wie bei dem Handeln aus Lust.
4. Die Einheit der Elemente enthält aber auch eine ursachliche Einheit; der Beweggrund ist kausal mit dem Wollen, und das Wollen kausal mit der Ausführung verknüpft. Nur der Eintritt des Beweggrundes steht mit der blossen Vorstellung des Zieles in keiner festen kausalen Verbindung; vielmehr tritt hier der Gedankenlauf, das Gedächtniss und die Empfänglichkeit für bestimmte Ursachen der Gefühle mitbestimmend hinzu. So verbindet sich mit der Vorstellung des Bettes nur bei dem Müden der Beweggrund, welcher ihn zum Hineinlegen treibt.
5. Die volle Einheit der Elemente des Handelns tritt erst mit der Ausführung ein; deshalb wird auch erst diese Ausführung Handlung genannt. Während der Aus

 

I. Das Handeln - B. Die Einheit der Elemente 16