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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

oder ein Schmerz daraus erwartet werden, oder es kann eine wirkliche Verbindung solcher Gefühle übersehen werden. Der Irrthum kann auch die sittliche Natur der Handlung betreffen; sie kann fälschlich für recht oder für unrecht oder für gleichgültig gehalten werden. Hierauf bezieht sich die Unterscheidung der Juristen zwischen Rechts-Irrthum, und Irrthum in dem Thatsächlichen. Die Handlungen der Kinder gelten deshalb im Recht bis zu einem gewissen Alter nicht als Handlungen.
4. Der Irrthum kann aus der Natur und dem Umfange des Wissens und Wahrnehmens der handelnden Person hervorgehen; er kann auch durch dritte Personen absichtlich bewirkt sein; daraus bildet sich der Unterschied von Irrthum im engeren Sinn und von Betrug. Der Betrug kann im Interesse des Betrügers geschehen; er kann aber auch den Nutzen eines Anderen, ja des Betrogenen selbst bezwecken, wie bei Jähzornigen und Betrunkenen leicht nöthig werden kann. Es bilden sich daraus die Unterschiede von dolus malus und dolus bonus.
5. Wenn mit einer Handlung sich ein Umstand verbindet, welcher weder als Mittel noch als Zweck gewollt worden ist, so gehört solcher Umstand nicht zu der Handlung. Dennoch bestimmen die sittlichen Gebote oft, dass auch ein solcher Umstand zur Handlung gerechnet und deshalb von dem Handelnden vertreten werden soll. Dies giebt den Begriff der kulposen oder fahrlässigen (unvorsichtigen) Handlung, im Gegensatz zu der vorsätzlichen und absichtlichen. Die fahrlässige Handlung ist dem Wortsinn nach ein Widerspruch, weil keine Handlung ohne ein gewolltes Ziel möglich ist. In dem hier entwickelten Sinne wird vorausgesetzt, dass der Handelnde die Folge hätte vermeiden können, wenn er sein Ziel und die Mittel vollständiger überdacht oder die Ausführung vorsichtiger bewirkt hätte. War diese Möglichkeit nach den obwaltenden Verhältnissen und Sitten des Landes nicht vorhanden, so gelten diese Folgen als zufällige. Bei fahrlässigen Handlungen lassen die sittlichen Gebote meist eine gelindere Strafe, die Belohnung aber gar nicht eintreten, die für die absichtliche Handlung verordnet ist. Die zufälligen Folgen werden in der

 

I. Das Handeln - C. Das mangelhafte Handeln 20