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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

haupt ist es ein Irrthum der Rechtswissenschaft und der Moral, wenn sie meinen, die Fragen der Zurechnung aus der Natur der Sache entscheiden zu können; es sind immer die positiven Gebote des Rechts oder der Moral, aus denen im letzten Grunde die Entscheidung entlehnt werden muss, wie in der Abtheilung VII. näher dargelegt werden wird. Die Moral und das Recht der verschiedenen Völker und Zeiten zeigen hier für die gleichen Fragen die verschiedensten und entgegengesetzten Bestimmungen. Hegel hat daraus ein besonderes Heroenrecht gemacht.

II. Die Gefühle der Lust.

A. Das Wesen der Lustgefühle.

1. Mit „Lust" und „ Lustgefühlen " werden hier der Kürze halber alle Gefühle bezeichnet, welche den Gegensatz zu den Gefühlen der Achtung oder den sittlichen Gefühlen bilden; es sind also darunter, wo der Sinn nicht das Gegentheil ergiebt, auch die Schmerzgefühle mit zu verstehen.
2. Die Lust und die Achtung sind oben (S. 4) als die Beweggründe des Handelns dargelegt worden. Es wird sich ergeben, dass ausser ihnen keine weiteren bestellen; sie sind die beiden Quellen, aus denen alles menschliche Handeln hervorgeht und bald gesondert, bald verbunden, in kleinen und grossen Strömen und in den mannigfachsten Windungen die Welt durchfliesst. Indem diese Beweggründe sich zu vielfachen Arten besondern, welche mit dem Aeusserlich-Seienden und mit dem Wissen der Seele in mannigfachem ursachlichem Zusammenhange stehen, ist ersichtlich, dass es vor Allem auf eine genaue Erforschung dieser Quellen ankommt, um den Inhalt und Reichthum der aus ihnen abfliessenden Handlungen und Gestaltungen des Lebens zu verstehen. Die Lustgefühle sind zunächst in Betracht zu nehmen. Es ist nothwendig, sie in ihrer Reinheit und frei von aller Beimischung sitt-

 

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