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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

licher Elemente zu untersuchen; ähnlich, wie dies von Spinoza geschehen ist. Nur in dieser Isolirung kann ihre Natur richtig und erschöpfend erfasst werden. Es werden deshalb in diesem Abschnitt die Lustgefühle rein wie ein Gegenstand der Natur betrachtet werden.
3. Durch diese Spaltung der Beweggründe des Handelns in zwei Arten besondert sich auch der Begriff des Sittlichen. Es bildet sich damit der Begriff des Sittlichen im engeren Sinne, welcher das Handeln aus dem Beweggrund der Achtung bezeichnet; ihm gegenüber kann das Handeln aus Lust als das natürliche, nur nach Naturgesetzen sich bestimmende Handeln bezeichnet werden. Es ist deshalb im Folgenden unter „Sittlich" das Sittliche im engeren Sinne zu verstehen, wo der Zusammenhang nicht klar das Gegentheil ergiebt.
4. Die Lust und der Schmerz können ebensowenig wie das Wollen definirt werden. Das Eigenthümliche derselben kann nur durch die Selbstwahrnehmung erfasst werden; Jeder kennt deshalb nur seine eigene Lust und seinen eigenen Schmerz; der Vorstellung des fremden Gefühls kann er nur sein eigenes unterlegen. Aber aus dieser Quelle sind ihm auch seine Gefühle auf das Genaueste bekannt. Diese eindringende, durch kein Organ vermittelte Erkenntniss vermittelst der Selbstwahrnehmung hat Schopenhauer verleitet, sie als eine intuitive Erkenntniss zu behandeln, welche von der Spaltung ihres Inhaltes in Objekt und Subjekt befreit sei. Andere, wie Spinoza und Herbart, sind dadurch verleitet worden, die Lust mit dem Wissen und Denken identisch zu setzen und nur als eine Besonderung des letzteren zu behandeln.
5. Allein die Lust ist, wie das Begehren, vielmehr der Gegensatz des Wissens; jene beiden bilden die seienden Zustände der Seele, welche nicht, wie das Wissen, nur ein Anderes (den Gegenstand) spiegeln und in diesem Anderen sich selbst verlieren; sondern welche für sich bestehen, auf kein Anderes hinweisen, nicht das Bild eines Anderen bieten, vielmehr selbst einen Gegenstand oder Inhalt für das Wissen abgeben. Sie sind deshalb zwar in der Regel vom Wissen (Bewusstsein) begleitet, allein in ihrem Dasein nicht davon abhängig. Es besteht oft ein Kopfschmerz, welchen man in dem Eifer der Arbeit vergisst, nicht bemerkt, aber dessen Dasein doch nachher

 

II. Die Gefühle der Lust - A. Das Wesen der Lustgefühle 24