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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

ihren Wirkungen befassen, sind sie auch deshalb falsch, weil jene Wirkungen keineswegs bei jeder Art von Lust und Schmerz eintreten. Es giebt Arten der Lust, die auch schwächend wirken, und Arten des Schmerzes, die stärkend wirken. Diese Systeme sind deshalb zu sophistischen Wendungen genöthigt. So Spinoza, welcher unterscheidet, ob die Lust alle Theile des Körpers gleichmässig erregt, oder einige vor den übrigen (Ethik III. L. 11, IV. L. 43); nur jene Lust soll gelten. Allein dieser Unterschied ist für die Organismen überhaupt unwahr, und überdem nicht unmittelbar erkennbar; er wird erst aus den nachtheiligen Folgen für Kraft und Gesundheit abgeleitet, und die Begründung dreht sich daher im Kreise.
4. Jedes einzelne Gefühl zeigt auch eine Wirkung auf die übrigen, neben ihm zugleich in der Seele bestehenden Gefühle. Lust und Schmerz jeder Art können zugleich in der Seele sein; der Zuschauer im Theater erfreut sich am Stück und leidet dabei an Kopfschmerzen, oder ist in Sorge um ein krankes Kind zu Hause. Der Schmerz der Beleidigung besteht neben der Lust aus der kommenden, bereits vorbereiteten Rache; der Todesschmerz besteht neben der Lust des Sieges in dem sterbenden Feldherrn u. s. w. Auch verschiedene Art der Lust können neben einander bestellen, und ebenso verschiedene Arten des Schmerzes.
5. Die Arten der Lust gehn eine Mischung mit einander zu einem Gefühle ein; solche Mischungen enthält die Fröhlichkeit,
die Heiterkeit , die Lustigkeit . Man bezeichnet solche Mischungen oft mit dem Wort: Stimmungen, weil der Zusammenhang des ganzen Gefühlszustandes mit den einzelnen seiner Ursachen nicht erkannt oder erloschen ist. Aehnliches gilt für die Arten des Schmerzes. Dagegen geht Schmerz und Lust keine Mischung mit einander zu einem Neutralen ein; es könnte nur die Gleichgültigkeit sein oder der reine Rest des stärkern Gefühls, der nach Ausgleichung beider Gefühle übrig bliebe. Allein die Beobachtung lehrt, dass vielmehr Lust und Schmerz feindlich und getrennt neben einander beharren; nur der Grad des einen wird durch die Gegenwart des andern gemindert, und vermöge der Bewegung im Vorstellen besteht dabei ein Auf- und Ab-

 

II. Die Gefühle der Lust - D. Die Wirkungen der Lustgefühle 43