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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

für den Menschen. In der Autorität ist wesentlich enthalten, dass sie nicht durch Furcht oder Hoffnung, nicht durch Schmerz oder Lust den Willen des Menschen bestimmt, sondern dass dies durch die Achtung vor ihr geschieht. Diese Achtung hat auch nicht selbst schon einen sittlichen Ursprung, sondern sie ist die reine Naturwirkung der übergrossen physischen Macht auf den davon betroffenen Menschen.
3. Hier ist der Quellpunkt des Sittlichen, wo es aus dem Natürlichen entspringt; hier die Entstehung des Soll aus dem Ist , welche so unbegreiflich erscheint und der Natur des fertigen Sittlichen so widersteht. Das Sittliche ist nicht schon in der erhabenen Macht enthalten, und ihr Gebot ist kein Ausfluss ihrer eigenen Heiligkeit und Sittlichkeit; dies wäre keine Ableitung und Begründung des Sittlichen, sondern nur eine Verschiebung desselben. Vielmehr beginnt das Sittliche erst bei den Menschen, indem sie das Gebot in Achtung vor dem erhabenen, übergrossen Gebieter empfangen. Die übergrosse Macht des Gebietenden und das Achtungsgefühl des davon Betroffenen sind beide ein Natürliches, und die ursachliche Verknüpfung beider ist dieselbe wie bei jedem anderen Naturvorgange. Auch das Wollen des Mächtigen ist noch ein natürliches. Erst durch die ursachliche Verbindung des Wollens der erhabenen Macht mit der Achtung vor dieser Macht im Menschen verwandelt sich für letzteren jenes natürliche Wollen in ein sittliches Sollen für ihn.
4. Das Sittliche ist somit selbst ein Naturprodukt, ein aus Elementen des Natürlichen Entstandenes. Erst wenn es geboren ist, erhebt es sich über seine Mutter, die Natur, verleugnet sie und meint, aus ihr nicht zu entstammen. Diese Meinung gehört selbst zu dem Wesen des sittlichen Gefühls in dem einzelnen wollenden und handelnden Menschen; für ihn besteht das Sittliche in der Freiheit und Unabhängigkeit von dem Natürlichen; für ihn kann kein Ist das Soll widerlegen oder rechtfertigen. Allein ein Anderes ist der Inhalt des sittlichen Gefühls und die damit verbundene Ueberzeugung in dem einzelnen sittlichen Menschen, und ein Anderes die Entstehung dieses Gefühles und die Natur der dabei wirkenden Mächte. Indem die Philosophie diese

 

III. Die Gefühle der Achtung - B. Die Ursachen der Achtungsgefühle 53