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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

aber doch nur einem Höhern, dem Handeln des Menschen als Mittel dienen und darin ihren Werth haben. Das Handeln des Staates ist in den kultivirten Ländern ein zwiefaches: die Verwaltung und das freie Handeln.
48. Jene bezeichnet das Handeln, was sich auf die regelmässige Beschaffung der Staatsmittel und auf den Rechtsschutz und das Wohl der Einzelnen bezieht. Durch die Verwaltung werden die Interessen der einzelnen Bürger befriedigt, und deshalb wird von ihnen die Verwaltung höher gestellt als die Verfassung; eine gute Verwaltung kann für eine mangelhafte Verfassung entschädigen, d. h. für eine solche, welche dem wahren Machtverhältniss der Autoritäten nicht entspricht.
49. Indem die Verwaltung sich in eine Masse einzelner Handlungen auflöst, welche für regelmässig wiederkehrende gleiche Verhältnisse berechnet sind, kann die Verwaltung durch Gesetze und Verordnungen geregelt werden, und die zur Ausführung dieser Geschäfte nöthigen Personen, die Beamten, können an diese Gesetze gebunden werden. Wenn deshalb auch diese Beamten im Auftrage der Autorität handeln, so nehmen sie doch nicht an deren Unverantwortlichkeit und Stellung über dem Rechte Theil, sondern sie bleiben dem Rechte sowohl gegenüber den Autoritäten, wie gegenüber den Bürgern unterworfen. Nichts erbittert Letztere mehr, als die Willkür der Beamten. Die Verwaltung sondert sich in die Thätigkeiten, welche die Mittel für die Macht des Staates und sein Handeln beschaffen, und in die, welche nur den Interessen der Einzelnen dienen. Danach haben sich für die erstere die Ministerien der Finanzen und des Krieges gebildet und für letztere die Ministerien der Justiz und der Polizei. Letzteres theilt sich in mancherlei Unterabtheilungen, wie die Ministerien des Unterrichts , des Handels, des Ackerbaus, der eigentlichen Polizei u. s. w.
50. Zur Verwaltung des Staats gehört auch die Strafrechtspflege. Ueber den Rechtsgrund der Strafe bestehn sogenannte relative und absolute Theorien in der Wissenschaft. Jene wollen die Strafe aus den Zwecken der Abschreckung, der Vorbeugung (Prävention), der Besserung u. s. w. ableiten; diese lassen diese Zwecke bei Seite und suchen aus dem Begriffe des Rechts oder

 

VI. Die Gestaltung der sittlichen Welt - D. Die Gestaltung des öffentlichen Rechts 165