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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

des Verbrechens die Strafe zu begründen. Man hat auch eine Verbindung beider Auffassungen versucht, aber eine Klarheit kann nur gewonnen werden, wenn von den hier dargelegten Grundlagen des Sittlichen ausgegangen wird.
51. Das Wesen der relativen Theorien ist, dass sie sich auf die Beweggründe der Lust stützen; der in der Strafe enthaltene Schmerz soll dem zum Verbrechen treibenden Beweggrund der Lust entgegentreten und so das Verbrechen verhindern; selbst die Besserung des Verbrechers wird hier nur als ein solches Mittel behandelt. Dieser Begründung stellte man entgegen, dass das Recht nicht aus dem Nutzen abgeleitet werden dürfe, dass es seine eigene Grundlage habe, und dass überdem diese Zwecke durch die Strafe nicht einmal erreicht würden. So entstanden die absoluten Theorien, deren Wesen ist, dass sie die Strafe aus dem sittlichen Prinzip abzuleiten suchen. Allein man begnügte sich dabei nicht mit dem Gebot des Gesetzgebers, als Letztem, sondern suchte noch nach einem Rechtsgrunde darüber hinaus. Da nun alles Sittliche nur aus den Geboten der Autoritäten entspringt, und keine höhere Quelle für es besteht, so mussten diese Versuche nothwendig verunglücken. So musste Hegel das Verbrechen gegen dessen Natur zu einer Verneinung des objektiven Rechts oder des Strafgesetzes verdrehn, und ebenso die Strafe zu einer zweiten Verneinung jener ersten, um eine Ableitung der Strafe aus dem Rechte zu gewinnen, deren Unnatürlichkeit so gross ist, dass man schon Mühe hat, sie zu verstehn. — Andere benutzen das Prinzip der Wieder Vergeltung, allem dieses bedarf selbst erst der sittlichen Begründung. Die relativen Theorien haben für sich, dass ihre Beweggründe den Gesetzgeber wirklich bestimmt haben, allein sie vermögen den Einwand nicht zu widerlegen, dass diese Ziele des Nutzens nicht in das Recht gehören.
52. Diese Schwierigkeiten lösen sich nur, wenn man nach der hier gegebenen Begründung des Sittlichen sich vergegenwärtigt, dass das Sittliche und das Recht erst mit dem Gebot der Autoritäten für die Untergebenen beginnt, dass aber die Autoritäten über demselben stehn, und deshalb bei ihren Geboten nur durch die Motive des Nutzens bestimmt werden. Deshalb ist es unmöglich,

 

VI. Die Gestaltung der sittlichen Welt - D. Die Gestaltung des öffentlichen Rechts 166