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Von Kirchmann Die Grundbegriffe Des Rechts Und Der Moral

desstaat soll eine Theilung der Souveränetät zwischen dem Bund und den Einzelstaaten, die ihm zugehören, darstellen. Allein da die Souveränetät als höchste Macht nicht theilbar ist, so ist der Bundesstaat nach seinem Begriffe unmöglich; er ist in Wahrheit entweder ein Einheitsstaat oder ein Staatenbund, und bezeichnet meist den thatsächlichen Uebergang des letzteren in ersteren.
66. Für die Verhältnisse der mehreren Staaten zu einander hat sich das Völkerrecht gebildet. Es theilt sich in das Friedens- und in das Kriegsrecht und enthält eine Anzahl von Regeln, welche eine sittliche Verbindlichkeit für die Staaten begründen sollen. Maul hat neuerlich in der Wissenschaft noch den Unterschiedi von moralischen und Rechtspflichten für dieses Gebiet eingeführt. Es bedarf nach dem Vorgehenden keiner Ausführung, dass hier, wo es sich um Autoritäten und ihr Verhältniss unter einander handelt, der Begriff des Rechts keine Anwendung finden kann, und selbst moralische Momente haben sich hier nur erst im Mittelalter unter den christlichen Völkern bilden können, als die gemeinsame Religion ihre Moral-Gebote von einem auch über die Fürsten und Völker herrschenden Gotte ableitete. Indess ist in Folge der Natur der Autoritäten und in Folge der Abschwächung der göttlichen Gebote durch ihre Verkündung mittelst der Priester die Wirksamkeit dieses moralischen Momentes in dem Staatenverkehr nur schwach.
67. Wenn die Kriege milder geworden sind, wenn jetzt das Privateigentum dabei geschont wird, so sind das nicht die Wirkungen eines bestehenden Rechtes, sondern der Milderung der Sitten. Diese Milde kommt aus dem Gebiete der Lust, nicht des Rechts. Deshalb sind auch diese Regeln des Völkerrechts überall bedingt durch die Grösse der Ziele, um die es sich handelt. Wo die Existenz des Staates in Frage kommt, wo in Revolutionen ein Kampf des Volkes mit der Macht des Fürsten auf Tod und Leben sich entwickelt, da werden auch jene Regeln nicht innegehalten, und Niemand nimmt Anstoss daran; auch hier helfen dann die Phrasen von dem höheren Rechte.
68. Aehnlich verhält es sich mit dem Recht der

 

VI. Die Gestaltung der sittlichen Welt - D. Die Gestaltung des öffentlichen Rechts 172